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Romana Engler im Interview

Kein CFO oder CEO wird in der Zukunft an der IT vorbei kommen

Unsere Alumna Romana Engler leitete nach ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik als Spezialistin für Datenanalyse internationale Teams zur Untersuchung  von Wirtschaftskriminalität. Heute absolviert sie bei Siemens ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte im Bereich Controlling & Finance Audit. Nach einem fast 2-jährigen Auslandsaufenthalt mit Siemens in Manhattan, USA, ist sie vor kurzen nach München gezogen und plant nun einen Aufenthalt in Peking, wo sie für die chinesischen IT-Projekte verantwortlich sein wird.

Wir haben sie unter anderem gefragt, wie sie zu ihrer Tätigkeit bei Siemens in den Vereinigten Staaten gekommen ist und wie ein klassischer Arbeitstag als Managerin im Bereich Controlling & Finance Audit aussieht. Außerdem hat sie mit uns über die Grundlagen guter Entscheidungen gesprochen – und warum deshalb kein CFO oder CEO in Zukunft an der IT vorbei kommen wird.

Frau Engler, Sie sind nach Ihrem Studium in einen sehr speziellen sowie aktuellen Arbeitsbereich (Wirtschaftskriminalität / Cyber Security) eingestiegen. Wie kam es dazu?

Ein befreundeter Kommilitone von mir hatte sein Studium vor mir abgeschlossen und schon bei Deloitte im Consulting angefangen. Dort war er als PMO für ein großes Forensik-Projekt beschäftigt, und davon hat er mir an einem Sonntagmorgen auf den Treppen des Pohlig-Hauses erzählt.

Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt und war sofort begeistert. Ich habe mir vorgestellt, ich wäre ein Art Privatdetektiv in der Wirtschaft (und manchmal ist die Arbeit in der Forensik auch wirklich so!). Er hat dann meinen Lebenslauf weitergeleitet und eine Woche später habe ich den Vertrag unterschrieben und wenig später angefangen, noch während ich meine Diplomarbeit schrieb.

Zuerst wollte ich weg von der IT und in der allgemeinen Forensik arbeiten und habe eine entsprechende Vereinbarung getroffen, nach einem halben Jahr zu wechseln – ich habe dann aber großen Spaß an der Arbeiten mit Daten gefunden und bin heute sehr froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Wenn man mit Daten arbeitet, schaut man immer auf das große Ganze, und man kann auf Basis von Fakten diskutieren. Kein CFO oder CEO wird in der Zukunft an der IT vorbei kommen – wer gute Entscheidungen treffen will, muss die Fakten kennen und die liegen heutzutage oft in den Daten.

Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit bei Siemens in den Vereinigten Staaten gekommen? Hatten Sie Fernweh?
Nach  Jahren als Externe wollte ich gerne in die Industrie wechseln. Mein ehemaliger Chef von Deloitte war bei Siemens und hatte gerade die USA Richtung München verlassen.

Er hat mir die Stelle angeboten , ich fand es eine spannende Herausforderung, und wer möchte nicht wenigstens einmal in seinem Leben in New York leben!

Es war eine großartige Erfahrung, die ich mit nichts in der Welt tauschen möchte. Ich habe auf der 34. Straße gewohnt und das erste, was ich jeden Morgen gesehen habe, wenn ich aus der Tür kam, war das Empire State Building. Und natürlich ist die Arbeitskultur in den USA eine ganz andere, so viel Innovation in Technologie und Business kommt noch immer aus den USA.

Ich muss dazu aber sagen, ich habe drei Jahre in der Schweiz gelebt und Zürich fehlt mir fast mehr als New York.

Zusätzlich habe ich durch die neue Stelle mein Profil erweitert – die Arbeit in der Forensik war sehr spezialisiert, nun habe ich den Schritt in eine Generalisten-Rolle vollzogen. In der internen Beratung und im internen Audit kann man nachhaltiger arbeiten und die eigene Firma ist der Kunde – statt Profit für die externe Firma schauen wir auf den tatsächlichen Effekt, den wir in Siemens generieren können – das war ist eine sehr befriedigende Art zu arbeiten, auch wenn ich heute manchmal den Sales Aspekt vermisse, der als Manager oder Senior Manager in einer Beratungsfirma sehr wichtig ist.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag als Managerin im Bereich Controlling & Finance Audit aus?
Das ist tatsächlich jeden Tag anders.

Ein Großteil meiner Projekte beschäftigt sich mit „Process Mining“. Siemens CF A hat eine eigene Methodologie entwickelt, um mit Hilfe verschiedener Technologien auf Basis von SAP und anderen Daten Prozesse zu visualisieren und zu optimieren. Viel mehr als nur mit den Daten beschäftigen wir uns mit dem, was jeden Tag passiert im Einkaufsbereich, der Fabrik, im Marketing oder im Lager.

Im Rahmen diese Projekte sprechen wir sowohl mit dem Top Management unserer verschiedenen Bereiche als auch mit den Mitarbeitern vor Ort und helfen Ihnen, noch besser zu verstehen, wo sie sich verbessern können und welche Auswirkungen bestimmte Ineffizienzen haben.

Als Projektleiterin bin ich nicht mehr viel operativ tätig, ich verbringe viel Zeit in Meetings und unterstütze mein Team dabei, die richtigen Fokusbereiche zu wählen und Arbeitsergebnisse  für das Top Management zu präsentieren. Ich nehme an Workshops mit unseren internen Kunden in der ganzen Welt teil und helfe dabei, unseren Bereich und Services weiter zu entwickeln.

Obwohl aktuell eine große Nachfrage nach Process Mining besteht, werde ich auch das nicht für immer machen. CF A versteht sich innerhalb von Siemens als Multiplikator neuer Methodologien und Technologien und mit unserer Arbeit möchten wir den Bedarf an externer Beratung reduzieren. Meine Erfahrung nutze ich dazu, dabei zu helfen zu identifizieren, wo es weitere Möglichkeiten gibt, unsere Services auszubauen. Wir kennen natürlich Siemens sehr gut und können daher oft viel gezielter helfen als ein externer Berater.
Was mir am meisten Spaß macht ist, wenn ich Einblicke in das Siemens Geschäft bekomme, z.B. konnte ich vor kurzem unsere Wind-Turbinen Produktion in Brande sowie unsere Fabrik für Bahnsteuerungssysteme in Braunschweig besichtigen.

Ein Konzern wie Siemens gestaltet die Welt, in der wir leben zu großen Teilen mit, sei das nun mit ICEs, Wind- oder Gasturbinen aber auch mit Technologie zur effektiven und effizienten Steuerung einer Fabrik.

Man kann eigentlich keinen Tag verbringen, ohne mit Siemens Produkten in Berührung zu kommen, und wo Technologie ist sind auch Daten! Es gibt also genug zu tun.

Inwieweit hat Ihnen Ihr Studium in Ihrer heutigen Position geholfen?
Ich habe Wirtschaftsinformatik damals sehr blauäugig ausgewählt: BWL machen alle, Jura ist zu viel lernen, Medizin dauert zu lange, WInfo – hört sich gut an, das mache ich.

Es war aber genau das richtige Studium zu der genau richtigen Zeit.

Die Schnittstelle zwischen IT und Entscheidern ist sehr wichtig, und noch immer gibt es viel zu wenige Manager und ITler, die beide Welten verstehen.

Ich habe hier meine Nische gefunden und habe viel Spaß daran!

Natürlich ist vieles aus dem Studium nicht 1:1 anwendbar in der Praxis, aber ich habe gelernt, in einer bestimmten Art und Weise an Probleme heran zu gehen und analytisch zu denken.

Ich habe noch auf Diplom studiert und wir waren viel auf uns selbst gestellt – aber auch das weiß ich inzwischen zu schätzen, denn es macht einen selbstständig. Und ohne meinen Kommilitonen hätte ich meinen ersten Job gar nicht bekommen!

Bitte ergänzen Sie: „Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich an …“
…Sommernachmittage auf der Wiese zwischen E-Raum und Mensa und lange Nächte, die im Venusceller enden.

Was sind Ihre drei Tipps an unsere Studierenden?

  •  Die Leute, mit denen ihr heute auf der Le Debut ein Kölsch trinkt, sind in ein paar Jahren gute professionelle Kontakte.
  • Ein qualifizierter Studentenjob und ein Auslandsaufenthalt machen Dich als Absolvent interessant, auch wenn dafür ggf. ein Semester drauf geht.
  • Gelegenheiten muss man nehmen, wie sie kommen!

Ein zusätzlicher Tipp in eigener Sache:
Aktuell suchen wir zwar insbesondere erfahrene Mitarbeiter, aber da sich laufend Kollegen weiterentwickeln stellen wir immer wieder ein, in allen unseren Standorten (München, USA, Peking, Indien, Brasilien, Mexico). Wir interessieren uns für außergewöhnlich talentierte und ambitionierte Absolventen mit Interesse und einen entsprechenden Hintergrund in Datenanalyse für die Rolle des Datananalysten.

In allen anderen Bereichen (IT Audit, Forensic Technology, Operational Audit, Financial Audit, Transaction Services) stellt CF A grundsätzlich nur Berufserfahrene ein – was natürlich den Einstieg als Absolvent in der Rolle des Datenanalysten zusätzlich attraktiv macht. Wir bieten eine kontinuierliche professionelle Ausbildung, internationale Kontakte und Einsätze, spannende Einblicke in die verschiedenen Siemens Bereiche, Weiterentwicklungsmöglichkeiten in das Siemens Business und ein tolles internationales Team.

Bei Interesse stehe ich unter Romana.EnglerSpamProtectionSiemens.com gerne für Fragen zur Verfügung, und weitere Informationen gibt es unter www.siemens.com/cfa.

Welche Erfahrungen haben Sie geprägt, und wie schauen Sie auf die Zukunft?
In meinem Leben nicht missen möchte ich die interkulturellen Erfahrungen, die ich während meiner Auslandsaufenthalte und Arbeit in internationalen Teams sammeln konnte und die Freundschaften, die dabei entstanden sind. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass mir mein Job noch immer jeden Tag Spaß macht und dass ich immer noch die Möglichkeit bekomme, mich mit neuen Fragestellungen und Problemen zu befassen und mich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Ich freue mich auf die Gelegenheit, nun Asien besser kennen zu lernen.

Was die Zukunft angeht – unser Programm sieht es vor, nach 3-5 Jahren den Einstieg in eine Leadership Position ins Siemens-Business zu finden.

Meine Projekte geben mir die Möglichkeit, auf eine sehr positive Art und Weise Kontakt zu unseren Business Kollegen aufzubauen, und ich bin mir sicher, dass sich daraus dann die nächste gute Gelegenheit ergibt!

Vielen Dank für das Interview!

Über Romana Engler:

Romana Engler fand nach ihrem Abschluss mit den Schwerpunkten Corporate Finance und Information Management ihren nahtlosen Berufseinstieg bei Deloitte im Bereich Analytic Forensic Technology. Als Spezialistin für Datenanalyse leitete sie internationale Teams zur Untersuchung  von Wirtschaftskriminalität. Nach einem Wechsel zu KPMG befasste sie sich als Senior Managerin mit den Themen eDiscovery und Cyber Security.

Heute absolviert Romana Engler bei Siemens ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte im Bereich Controlling & Finance Audit (CF A). Nach einem fast 2-jährigen Auslandsaufenthalt mit Siemens in Manhattan, USA, ist sie vor kurzen nach München gezogen und plant nun einen Aufenthalt in Peking, wo sie für die chinesischen IT Projekte verantwortlich sein wird. Ihre Kernaufgabe ist das interne Consulting, insbesondere datengestützte Prozessoptimierung.

Interview: Ayla Wisselinck

Über Romana Engler:

Romana Engler fand nach ihrem Abschluss mit den Schwerpunkten Corporate Finance und Information Management ihren nahtlosen Berufseinstieg bei Deloitte im Bereich Analytic Forensic Technology. Als Spezialistin für Datenanalyse leitete sie internationale Teams zur Untersuchung  von Wirtschaftskriminalität. Nach einem Wechsel zu KPMG befasste sie sich als Senior Managerin mit den Themen eDiscovery und Cyber Security.

Heute absolviert Romana Engler bei Siemens ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte im Bereich Controlling & Finance Audit (CF A). Nach einem fast 2-jährigen Auslandsaufenthalt mit Siemens in Manhattan, USA, ist sie vor kurzen nach München gezogen und plant nun einen Aufenthalt in Peking, wo sie für die chinesischen IT Projekte verantwortlich sein wird. Ihre Kernaufgabe ist das interne Consulting, insbesondere datengestützte Prozessoptimierung.

 

Interview: Ayla Wisselinck