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Interview mit Güldem Demirer

„Suchen Sie sich zwei Mentoren: Eine(n) für das Herz und eine(n) für die Karriere“

Unsere Alumna Dr. Güldem Demirer promovierte im Jahr 2002 an der WiSo-Fakultät der Universität zu Köln. 
Ihre Promotionsarbeit zum Thema „Der Einfluss von Arbeitsmarktregulierungen auf die Neigung zur Selbständigkeit - Eine Analyse der Erwerbswahl von Hochschülern als eingeschränkt rationale Entscheidung -“ hat Sie am Seminar für Allgemeine BWL und Personalwirtschaftslehre an der Universität zu Köln abgeschlossen.

Güldem Demirer ist eine internationale HR-Expertin und Leiterin des Teams Compensation & Benefits Global bei der T-Systems International/Deutschen Telekom. 
Wir haben sie unter anderem gefragt, wie sie zu ihrer Tätigkeit bei der Deutschen Telekom gekommen ist und wie ein klassischer Arbeitstag mit Ihrem Team aussieht. Außerdem gab sie wertvolle Tipps für unsere Studierenden.

Ich konnte als eine der ersten Promovierenden eine Theorie des „Behavioral Economics“ in den Fachgebieten Personalwirtschaftslehre und Unternehmensgründung erforschen.

Liebe Frau Dr. Demirer, wie kam es, dass Sie sich nach Ihrem Studium für eine Promotion an der WiSo-Fakultät entschieden haben?

Am Lehrstuhl für Personalwirtschaftslehre der WiSo-Fakultät hatte ich die Chance, in zweierlei Hinsicht Neuland zu erforschen. Einerseits konnte ich im Rahmen der Start-up Forschung an einem großen empirischen Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft maßgeblich teilhaben. Andererseits habe ich damals in einem sogenannten „Randgebiet“ der Wirtschaftswissenschaften forschen können. Ich schloss meine Promotion in dem Jahr ab, als Daniel Kahnemann den Nobelpreis für die sogenannte „Prospect Theory“ erhielt. Damit konnte ich als eine der ersten Promovierenden eine Theorie des „Behavioral Economics“ in den Fachgebieten Personalwirtschaftslehre und Unternehmensgründung erforschen.

Ich habe viele tolle Persönlichkeiten kennenlernen dürfen, bei denen ich insbesondere Authentizität und Fähigkeit zur Selbstreflektion bewundert habe.

Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen während Ihrer Promotion, die Sie inspiriert und Ihren beruflichen Werdegang besonders geprägt haben?

An der Universität und in der Privatwirtschaft treffen Sie Personen, die Sie inspirieren und - vielleicht noch wichtiger - Personen, denen Sie nicht folgen oder zustimmen möchten. Beide Ausprägungen sind sehr wichtig für die Definition des eigenen Karriereweges. Sehr viel häufiger hat sich mein Karriereweg über unbewusste Entscheidungen entwickelt.

Ich habe viele tolle Persönlichkeiten kennenlernen dürfen, bei denen ich insbesondere Authentizität und Fähigkeit zur Selbstreflektion bewundert habe.

Am Ende muss man auch einige Arbeitsergebnisse sportlich nehmen, man kann nicht bei jedem Wettbewerb auf dem Treppchen stehen.
 

Ein Vorteil für die eigene Entwicklung in einem globalen Konzern ist tatsächlich die Größe und Mannigfaltigkeit der Business Modelle.

Welche Schritte sind Sie nach Beendigung Ihrer Promotionsarbeit gegangen, um schließlich dort anzukommen wo Sie gerade sind?

Nach meiner Promotion hatte ich das große Glück als Mitarbeiterin der Deutschen Telekom im Stab des Vorstandsressorts Personal für das Thema Personalstrategie zuständig zu sein. Diese Vogelperspektive ermöglichte mir einen sehr lehrreichen Überblick über die konzeptionelle Personalarbeit und die enorme operative Aufgabevielfalt. 

Danach bin ich bewusst an die operative Kundenschnittstelle des Personalbereiches gewechselt und habe als HR Business Partnerin Führungskräfte eines internationalen Technikbereiches betreut. Darauf folgte die erste Führungsaufgabe im „Maschinenraum“ des HR Bereiches. Hier mussten die digitalen HR-Systeme für einen reibungslosen Transaktionsservice konzipiert und bedient werden. Meine Ausbildung zum SixSigma Blackbelt hat mir sehr geholfen, HR Prozesse umzugestalten und an wichtigen Schnittstellen stärker auf die Mitarbeiterbedürfnisse auszurichteten.

Richtig international wurde mein Tätigkeitsfeld durch die Leitung einer Abteilung, welche die Expatriates der globalen Töchter der Deutschen Telekom betreut und damit die Internationalisierung des Konzerns mit verschiedensten HR Beratungsleistungen unterstützt. Darauf aufbauend habe ich für sechs Monate in China und Malaysia eine HR Funktion übernehmen können.

Meine heutige Aufgabe baut stark auf Erfahrungen (Internationalität, Gestaltung von Regelwerken auf Basis eines Design Thinking-Ansatzes und operative Umsetzung in einem agilen Arbeitsumfeld) aus meinen früheren Funktionen auf.

Ein Vorteil für die eigene Entwicklung in einem globalen Konzern ist tatsächlich die Größe und Mannigfaltigkeit der Business Modelle. Ich kann nur empfehlen, die Diversität an Geschäftsmodellen, Kulturen und Führungsstile in Konzernen zu nutzen.

Die Zusammenarbeit mit kompetenten und teamorientierten Menschen ist ein enormer Motivator für die täglichen Herausforderungen.

Was machen Sie an einem normalen Arbeitstag? Was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit?

Im Laufe meines bisherigen Berufslebens habe ich mir Tätigkeiten aussuchen können, die ich als spannend und für sinnvoll empfunden habe. Ein normaler Arbeitsalltag sieht so aus, dass ich phasenweise nicht den Tag planen kann, sondern auf die Anforderungen unmittelbar reagieren und mit meinem Team Lösungen gestalten muss. Die Zusammenarbeit mit kompetenten und teamorientierten Menschen ist für sich genommen ein enormer Motivator für die täglichen Herausforderungen.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Köln ist für mich…

Es klingt zwar platt, trifft es aber ins Schwarze: „…e Jeföhl“

Photo: Pixabay.com / Maklay62

Was würden Sie unseren Studierenden gerne mit auf den Weg geben? Was sind Ihre drei Tipps?

  1. Sprechen Sie Ihre beruflichen Vorstellungen/Wünsche aus und tun Sie dies häufig.
  2. Suchen Sie sich zwei Mentoren: Eine(n) für das Herz und eine(n) für die Karriere
  3. Dieses Motto hat mir in vielen Lebenslagen geholfen: „Wenn das Leben Ihnen Zitronen reicht, machen Sie Limonade daraus“

Dr. Demirer hat am 24 Januar 2019, an der Round Table Diskussion „Stark als Frau!“ an der Universität zu Köln, mit zwei weiteren profilstarken Alumnae, teilgenommen. 
Dort hat sie über ihre eigenen Erfahrungen und Berufswege gesprochen. Darüber hinaus gab sie wertvolle Tipps und Eindrücke zu den Themen Karriere, Weiterentwicklung und Chancengerechtigkeit.

Über Dr. Güldem Demirer: 

Nach Abschluss ihres Studiums der Betriebswirtschaft in Trier, Dublin und einem European Master in Labour Studies der Universität Toulouse, arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln und promovierte an der WiSo-Fakultät. 2002 startete sie in der Privatwirtschaft als Mitarbeiterin des Personalvorstands-Ressorts der Deutschen Telekom AG . Diesem foltgen mehrere Positionen als Expertin und Führungskraft in Deutschland, China und Malaysia.

Frau Demirer, vielen Dank für das Interview!

Interview: Ayla Wisselinck