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Marc Oliver Bettzüge zur Neuaufstellung des EWI

Über die neue Struktur und Finanzierung des EWI, Zukunftsthemen und Herausforderungen der Energiebranche

Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge

Anlässlich der strukturellen und finanziellen Neuaufstellung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI), haben wir Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge einige Fragen zu den Gründen sowie zur weiteren thematischen Ausrichtung des Instituts gestellt.

Prof. Bettzüge ist seit 2007 Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Energiewirtschaft, an der WiSo-Fakultät der Universität zu Köln und geschäftsführender Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).

 


Interview mit Marc Oliver Bettzüge

Herr Prof. Dr. Bettzüge, das EWI stellt sich strukturell und finanziell neu auf. Warum und was soll so erreicht werden?

Wir bündeln alle Forschungs- und Beratungsaktivitäten in einer neuen Einheit: der Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (EWI) gGmbh, und schaffen dabei zeitgemäße, ausgewogene Gremienstrukturen. Damit können wir unsere Forschungs- und Beratungsaktivitäten bestmöglich verzahnen und ausbauen. Zudem schaffen wir so die strukturellen Voraussetzungen für eine institutionelle Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen, für die wir sehr dankbar sind. Insgesamt stärken die Veränderungen die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und Unabhängigkeit des Instituts und sichern seine Grundfinanzierung dauerhaft ab.

Welche Themen werden in Zukunft besonders im Fokus stehen?

Das EWI wird in vier Kompetenzbereichen aktiv sein: Integrierte Analyse des Energiesystems und Gestaltung der anstehenden Transformation; Weiterentwicklung der dazu benötigten hoch auflösenden Energiemarktmodelle; Analyse von globalen Ressourcenmärkten unter besonderer Berücksichtigung von Klimaschutz und Versorgungssicherheit; sowie Vertiefung unseres Verständnisses der regulatorischen und technischen Herausforderungen aus der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energiewirtschaft. Gerade für den letztgenannten Themenbereich ist die Nutzung sogenannter Künstlicher Intelligenz von besonderer Bedeutung und wird daher ein wichtiger Schwerpunkt unserer zukünftigen Arbeit sein.

Vor welchen Herausforderungen steht die Energiebranche aktuell, und was sind Herausforderungen in der Zukunft?

Die Energiewirtschaft steckt mitten in einem grundlegenden Transformationsprozess. Dieser Prozess wird einerseits durch politische Entscheidungen, andererseits durch technologische Entwicklungen getrieben. Diese vielfältigen Veränderungstreiber wirken in außerordentlich komplexer, unübersichtlicher Weise zusammen. Gleichzeitig sollen und dürfen Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung während des Transformationsprozesses nicht gefährdet werden. Anderenfalls drohen tief gehende gesellschaftliche Folgeprobleme. Wir sehen die Rolle des EWI darin, die komplizierten Zusammenhänge aufzuklären und damit Hilfestellungen für zukunftsorientierte Entscheidungen in Politik und Wirtschaft zu ermöglichen.


Was bedeutet die Energiewende und die Entwicklung weg von fossilen und nuklearen Energieträgern?

Fossile und nukleare Energieträger stellen immer noch weit über 80 Prozent der Energieversorgung bereit – weltweit, in Europa, aber eben auch in Deutschland. Unser globales Wohlstandsmodell beruht weiterhin unzweifelhaft auf der Ausbeutung der hohen Energiemengen, die aus diesen Rohstoffen gewonnen werden können. Gleichzeitig ist klar, dass und warum diese Situation nicht nachhaltig ist. Dieses Spannungsfeld beschreibt eine der entscheidenden – und größten -Menschheitsherausforderungen im 21. Jahrhundert, Es gibt hierfür kein Patentrezept. Die weit verbreitete Vorstellung, dass die Menschheit ihr Wohlstandsmodell unverändert fortführen kann und lediglich die Energieträger tauschen muss, erscheint mir jedenfalls in erheblichem Maße unterkomplex. Unter anderem wird sie den mit einer solchen Transformation verbundenen gesellschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen in keiner Weise gerecht. Eine aufgeklärte Debatte muss diese Zielkonflikte erkennen, ernst nehmen und ausleuchten. Nur auf einer solchen Grundlage können widerstrebende Interessen zwischen Staaten sowie innerhalb der jeweiligen Gesellschaften verstanden und zum Ausgleich gebracht werden. Und ein solcher Ausgleich ist die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg einer möglichen Energiewende.

Vielen Dank für das Gespräch, Prof. Bettzüge!

Die Fragen stellte Sarah Brender.

Mehr zur finanziellen und strukturellen Neuaufstellung des EWIs erfahren Sie in der folgenden Pressemitteilung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln:
EWI mit neuer Struktur und Finanzierung (19.2.2019)