Auszüge und leicht verändert zitiert aus:
Fuchs, M., Leupolt, B., Diez, J.R., Schamp, E.W. 2002: Wirtschaftsgeographen - ihre Ausbildung,
ihre Kompetenz und ihr Markt. In: Rundbrief Geographie, Nr. 179, S. 6-8.
Wirtschaftsgeographen haben sich eine Vielfalt an Berufsfeldern sowohl in
politikbezogenen Bereichen als vor allem auch in der Privatwirtschaft erschlossen. Ausgehend
von der räumlichen Planung als Querschnittsressort der öffentlichen Hand sind sie stärker als
zuvor in Tätigkeiten der Wirtschaftsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, der Umweltberatung sowie
Entwicklungszusammenarbeit auch bei internationalen Organisationen vorgedrungen.
In der Privatwirtschaft finden sich Tätigkeiten in der Standortberatung, Marktforschung,
Standort- und Regionalanalyse (etwa in der Industriewirtschaft oder im Handels-, Finanz-
und Immobiliensektor), in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und anderen Feldern der
Unternehmens- und Politikberatung sowie bei Verbänden.
Die günstigen Berufsaussichten in diesen Tätigkeitsbereichen ergeben sich für Wirtschaftsgeographen
zum einen aus einer breiten wirtschafts- und methodisch bezogenen Ausbildung sowie zum anderen durch
die individuelle Spezialisierung. Neben dem Erlernen wirtschaftsgeographischer Grundlagen ist es
deshalb für die Studierenden ratsam, eigene Interessenschwerpunkte und Berufsvorstellungen zu
identifizieren und die Ausbildung gezielt nach diesen auszurichten: z. B. durch einschlägige
Praktika, auch im Ausland, sowie ein entsprechend ausgerichtetes Thema der Abschlussarbeit.
Wirtschaftsgeographen können dadurch
- ökonomische Prozesse auf der lokalen und regionalen Ebene aus der Perspektive des wirtschaftenden
Akteurs erkennen und verstehen
- makroökonomische Strukturen und Prozesse erkennen und im Hinblick auf einzelwirtschaftliche
Handlungsmöglichkeiten bewerten
- die Inzidenz wirtschaftspolitischer Regelsysteme und regionalpolitischer Instrumente analysieren
und bewerten sowie ggf. neue Instrumente entwickeln
- die Implikationen einzelwirtschaftlicher Handlungen für gesellschaftliche Zielsetzungen sowie die
Implikationen gesellschaftlicher Normen und Normänderungen für einzelwirtschaftliches Handeln erkennen und bewerten.
In theoretisch-fachlicher Hinsicht umfassen diese Kenntnisse u.a.
- Standorttheorien und Standortsystemtheorien
- regionale Wachstumstheorien, regionale Innovationstheorien, evolutionsökonomische Ansätze
- Theorien der multinationalen Unternehmen sowie der Internationalisierung
- sozio-ökonomische und politische Governance-Formen / Formen der Regulation auf verschiedenen Maßstabsebenen.
Die Wirtschaftsgeographie ist eine empirische Wissenschaft. Daraus folgt der Anspruch an eine ausgeprägte
fach-methodische Kompetenz in
- Verfahren der DV-gestützten Informationsrecherche, Informationsverarbeitung und Informationspräsentation,
- Verfahren der quantitativen und qualitativen Sozialforschung zur Gewinnung von Primärdaten,
- dem Einsatz eines zielgerichteten 'Mix' von quantitativen und qualitativen Verfahren,
- der Erstellung von Fallstudien, vor allem in der Unternehmensforschung.
Diese fach-methodischen Kompetenzen schließen die Fähigkeit, DV-gestützte Programmpakete anwenden zu können, ein
(z. B. Statistikprogramme, GIS-Programme, Grafik-Programme).
Angesichts der zunehmenden Anforderungen der meisten Berufsfelder für Wirtschaftsgeographen erhalten die
Studierenden auch Übung auf dem Gebiet der Gesprächsführung, Moderation und Präsentation.
Mit ihrer fach-inhaltlichen und fach-methodischen Kompetenz erwerben Wirtschaftsgeographen insgesamt
- die Fähigkeit zur selbständigen Bearbeitung neuer Problemfelder
- die Fähigkeit zu ganzheitlich orientiertem und vernetztem räumlichen Denken
- die Fähigkeit zu Kritik- und Problemlösungen in disziplinärer und interdisziplinärer Teamarbeit.
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